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Relaunch · URLs · Prüfliste

URL-Mapping beim Relaunch

Was passiert nach dem Relaunch mit einem alten Link? Ein URL-Mapping beantwortet diese Frage vor dem Start. Hier siehst du an einem Beispiel, wie du die Zuordnung vorbereitest und anschließend überprüfst.

·6 Min. Lesezeit

Von Ismail Ucak · Eazy-Digital

Was gehört in ein URL-Mapping?

Ein URL-Mapping ist eine Arbeitsliste: Jede bekannte alte Adresse erhält eine Entscheidung und, falls nötig, ein konkretes neues Ziel. Du planst damit die Weiterleitungen, richtest sie aber noch nicht ein. Die fertige Liste geht an die Person, die Hosting, Website oder Weiterleitungsregeln betreut.

Du musst URLs nicht ändern, nur weil das Design neu wird. Bleiben Inhalt und Adresse passend, kann die Seite unter derselben URL weiterlaufen. Dieser Ratgeber behandelt die Zuordnung einzelner Adressen. Leistungen, Kosten und die gesamte Projektbegleitung findest du unter Website-Relaunch.

1. Die alten Adressen zusammentragen

Sammle URLs aus dem bisherigen System, der Sitemap, einem Website-Crawl, der Search Console sowie verfügbaren Besuchs- und Serverdaten. Denke auch an verlinkte PDFs und Bilder. Google nennt diese Quellen in seiner Anleitung zu Website-Umzügen.

Führe die Listen in einer gemeinsamen Datei zusammen. Notiere zu jeder Adresse, woher sie stammt. Eine Seite mit null gemessenen Klicks ist nicht automatisch wertlos: Vielleicht wird sie saisonal besucht, direkt verlinkt oder ist für bestehende Kunden wichtig.

Prüfe Varianten bewusst: mit und ohne www, alte Pfade mit abschließendem Schrägstrich oder URLs mit Parametern. Entferne Parameter nicht pauschal aus deiner Liste, wenn sie zum Beispiel ein bestimmtes Produkt oder eine Sprache auswählen. Für die Freigabe zählt die vollständige Adresse einschließlich Domain.

2. Ein Beispiel mit fünf Entscheidungen

Fiktives Beispiel eines Handwerksbetriebs, keine tatsächlichen Weiterleitungen dieser Website. Zur besseren Lesbarkeit sind nur die Pfade dargestellt; alle gehören im Beispiel zur selben Domain.

  • Behalten · 200

    Alte URL
    /kontakt
    Ziel
    /kontakt

    Die Kontaktseite bleibt an derselben Adresse. Eine Weiterleitung wäre hier unnötig.

  • Verschieben · 301

    Alte URL
    /leistungen/gartenpflege-alt
    Ziel
    /gartenpflege

    Die Leistung bleibt erhalten, die Adresse ändert sich. Das neue Ziel beantwortet dieselbe Anfrage.

  • Zusammenführen · 301

    Alte URL
    /heckenschnitt
    Ziel
    /gartenpflege

    Nur passend, wenn die neue Seite Heckenschnitt tatsächlich mit Umfang und Anfragemöglichkeit abdeckt.

  • Entfernen · 410

    Alte URL
    /aktion-fruehjahr-2022
    Ziel
    Kein Ersatz

    Die Aktion ist beendet und hat keinen passenden Ersatz. Die alte Adresse liefert einen echten Fehlerstatus.

  • Datei ersetzen · 301

    Alte URL
    /downloads/pflegeplan-alt.pdf
    Ziel
    /downloads/pflegeplan.pdf

    Der neue Pflegeplan ersetzt die alte Ausgabe. Auch Links auf Downloads sollen zum richtigen Dokument führen.

Behalten, verschieben oder entfernen?

Stelle dir bei jeder Zeile die Frage: Was wollte jemand unter dieser alten Adresse finden? Bei der Gartenpflege ist die Antwort eine konkrete Leistung, nicht einfach irgendeine Seite des Betriebs. Fehlt diese Leistung am neuen Ziel, ist die Zuordnung noch nicht fertig. Ergänze den Inhalt oder suche ein besseres Ziel.

Für dauerhafte Umzüge empfiehlt Google serverseitige Weiterleitungen. Sowohl 301 als auch 308 kennzeichnen einen dauerhaften Wechsel; eine 308 ist deshalb nicht automatisch ein SEO-Fehler. Die Unterschiede erklärt die Dokumentation zu Weiterleitungen. Die Tabelle verwendet 301 als Beispiel, nicht als Vorgabe für jedes System.

Ohne passenden Ersatz kann eine entfernte URL 404 oder 410 zurückgeben. Eine hübsche Fehlerseite mit Status 200 ist dagegen kein sauberer Ersatz. Google behandelt die meisten 4xx-Statuscodes für die Indexierung ähnlich; 410 ist kein garantierter Beschleuniger. Siehe Googles Erläuterung der HTTP-Statuscodes.

Leite nicht alle entfernten Seiten auf die Startseite um. Google warnt bei unpassenden Sammelweiterleitungen vor einer möglichen Einstufung als Soft-404. Weiterleitungen sollen möglichst direkt zum endgültigen Ziel führen und grundsätzlich mindestens ein Jahr bestehen bleiben; für weiterhin genutzte alte Links auch länger. Grundlage ist die oben verlinkte Umzugsanleitung.

3. Aus der Liste einen Prüfplan machen

Die Spalten „alt“ und „neu“ allein reichen für eine Übergabe selten aus. Trenne die geplante Entscheidung vom tatsächlich gemessenen Ergebnis. So wird ein eingetragenes Ziel nicht versehentlich als bereits getestet abgehakt.

Lege folgende Felder in deiner Tabelle an. Für entfernte Seiten bleibt das Ziel leer; bei erhaltenen Seiten entspricht es der alten Adresse.

  • Alte vollständige URL und Quelle des Fundes
  • Bisheriger Inhalt und Bedeutung für Besucher oder Anfragen
  • Entscheidung: behalten, verschieben, zusammenführen oder entfernen
  • Geplante Ziel-URL und erwarteter HTTP-Status
  • Begründung und verantwortliche Person
  • Gemessener Status, tatsächliches Endziel und Zahl der Weiterleitungen
  • Inhalt am Ziel geprüft: ja/nein, mit Datum
  • Offener Fehler und Freigabe durch die zuständige Person

4. Wo werden die Weiterleitungen eingerichtet?

Die Tabelle bleibt dein Plan und Abnahmeprotokoll. Technisch umgesetzt wird sie je nach System in der Hosting-Konfiguration, im Webserver, im Website-Framework oder über eine geeignete CMS-Funktion. Die Search Console speichert keine Weiterleitungsregeln für deine Website.

Stimme zuerst ab, welche Ebene die Regeln verantwortet. Andernfalls kann beispielsweise das Hosting schon eine Domain umleiten, während die Website erneut auf einen anderen Pfad weiterleitet. Lass die Kombination aus Domain- und Pfadregeln gemeinsam testen. Eine allgemeine Regel darf keine spezifische Zuordnung ungewollt abfangen.

Bei wenigen Seiten sind explizite Einzelzuordnungen gut überprüfbar. Musterregeln können größere Mengen abdecken, brauchen aber zusätzliche Negativtests: Was passiert mit einem unbekannten Pfad oder einer Adresse, die nur ähnlich aussieht? Kopiere deshalb keine fremden Serverregeln ungeprüft in dein Produktivsystem.

5. Vor dem Start die Ziele abnehmen

Öffne jedes geplante Ziel in der Testumgebung. Der richtige Pfad allein genügt nicht: Überschrift, Angebot, Downloads und Kontaktweg müssen zu deiner Entscheidung passen. Vergleiche gerade bei zusammengeführten Seiten die alten Inhalte mit dem neuen Text.

Für Seiten, die in die Suche sollen, müssen Zugriff und Indexierung möglich sein. Die kanonische URL soll auf die gewünschte öffentliche Adresse zeigen, nicht auf die Testdomain. Ein Canonical ist ein Signal zur bevorzugten URL und kein Ersatz für die Weiterleitung eines Besuchers. Google erklärt die unterschiedlichen Canonical-Signale.

Prüfe außerdem Navigation, Textlinks, Sitemap und eingebundene Dateien auf alte Ziele. Testzugangsschutz bleibt auf der Testumgebung bestehen. Einstellungen, die nur für diese Umgebung gedacht sind, dürfen nicht versehentlich die öffentliche Website blockieren.

6. Nach dem Launch die alten URLs wirklich aufrufen

Teste jetzt jede alte Adresse gegen die Live-Website und trage das Ergebnis ein. Ein Browser kann Weiterleitungen unauffällig verfolgen; für die Abnahme brauchst du zusätzlich den HTTP-Status und den vollständigen Weiterleitungsweg, etwa aus den Netzwerkwerkzeugen oder einem Crawl-Bericht.

Im Beispiel muss /leistungen/gartenpflege-alt auf /gartenpflege führen und dort der passende Inhalt mit Status 200 erscheinen. Für die entfernte Aktion ist der geplante 410 dagegen ein bestandener Test, kein neu zu behebender Defekt. Bewerte jede Zeile gegen ihre eigene Entscheidung.

  • Erhaltene Seiten sind unter der bisherigen URL erreichbar
  • Verschobene URLs führen ohne Schleife zum freigegebenen Endziel
  • Entfernte Inhalte liefern den geplanten Fehlerstatus
  • Downloads öffnen das richtige Dokument statt einer HTML-Fehlerseite
  • Interne Links und Sitemap verwenden die vorgesehenen aktuellen URLs
  • Kontakt- und Buchungswege funktionieren auch nach einer Weiterleitung

Wann ist dieser Teil des Relaunchs fertig?

Für die technische Freigabe sollten alle erfassten URLs eine geprüfte Entscheidung haben. Offene Abweichungen brauchen eine zuständige Person und einen Termin. Sichere die fertige Liste zusammen mit dem Veröffentlichungsdatum, damit spätere Änderungen nachvollziehbar bleiben.

Danach folgt die Beobachtung: Kontrolliere die Indexierung und vergleiche relevante Seiten und Suchanfragen über vergleichbare Zeiträume. Ein bestandener Weiterleitungstest garantiert weder unveränderte Rankings noch Top-Positionen. Er belegt zunächst, dass die vereinbarten Wege und Inhalte erreichbar sind.

Nach dem Relaunch weiterarbeiten